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Polizei, ihr eigener Freund und selbst Be-Helfer

20 Kilometer, 6 Polizeikontrollen. Welcome back to Ghana. Noch nie haben wir in Ghana auch nur einen Cent an die Polizei gezahlt. Jetzt lässt Ulli sich für 2,50 Euro ein Bußgeld aufquatschen, weil wir irgendwelche angeblichen Pflicht-Reflektoraufkleber nicht haben.
Was für ein Schwachsinn, unser Auto hat Reflektoren, so einen Scheiß brauchen wir nicht. Aber irgendwie sind wir aus der Übung. Und keine fünf Minuten später werden wir mit 11 kmh zu schnell in einer Ortschaft geblitzt. Natürlich kommt die Polizei zu mir, weil ich ja links sitze, wo sie das Steuer vermuten. Ulli drängelt mich, kein Papier aus der Hand zu geben. Das macht den Polizisten erst so richtig wütend. Ich halte alles fest und weigere mich loszulassen. Loslassen ist hier nie eine gute Idee. Denn dann rennen sie mit deinem Scheiß weg und du kriegst ihn erst wieder, wenn du irgendwas blechst. Auch wenn es nichts gibt, wofür du blechen musst.
Ulli gibt alles und nach einer Stunde Diskussion muss er für das zu schnelle Fahren 20 Euro zahlen.. Die eben beim Reinfahren ins Land noch in Ulli aufgeblitzte Urlaubsfreude wird schnell zu Frust und Müdigkeit. Wir müssen jedoch beide ultra lachen, als wir den Namen einer Salzfirma lesen, an der wir vorbei fahren – Diamond Solar Salt Ltd. Mamas Choice 🙂 Mehr geht nicht 🙂

Zickenkampf

In Accra angekommen, beantragen wir noch schnell unsere Visa für die Elfenbeinküste. Wir haben alles vorbereitet und ausgedruckt. Das stinkt der Dame am Schalter irgendwie. Also verlangt sie noch ein Einladungschreiben. Das haben wir beim letzten Mal nicht gebraucht, da hat einfach eine Adresse im Land als Kontakt gereicht. Nein, diesmal soll es ein Einladungsschreiben sein. Als ich sie frage, was da drin stehen soll, antwortet sie nur damit, dass sie eines braucht. Ich wiederhole meine Frage, sie ihre Antwort. Anstatt dass sie einfach sagt, dass sie keinen Plan hat, was da rein muss. Manchmal hasse ich diese Bürokacker hier so sehr! Ulli bleibt ruhig und diplomatisch. Das kann er echt gut in solchen Situationen wo ich mir denke: KRIEG!!!! Er fragt, ob auch eine Hotelreservierung reicht. Das geht.
Also bucht er draußen am Auto einfach ein Hotel, druckt die Buchungsbestätigung aus, canceled die Buchung sofort wieder und wir geben den ganzen Scheiß ab.
Erst staunt sie, dass wir uns so ein teures Hotel leisten können – wenn die wüsste, dann beschwert die olle Nuss sich doch tatsächlich darüber, dass das Dokument angeblich dreckig sei. Ulli entschudligt sich, es sei ja nur Sand, der darauf gekommen wäre, weil er sich so beeilt habe, alles zu erledigen, bevor sie schließen. Ob er nicht wisse, was es alles für Krankheiten gebe, pöbelt die Dame hinter der Glasscheibe. Am liebsten will ich zurück pöbeln, ob sie heute schon mal auf ihrer Botschaftstoilette war, die ich eben benutzt habe. Die soll mir nochmal was von Krankheiten erzählen.. Aber ich reiße mich zusammen. Wir wollen ja was von ihr..
In zwei Tagen können wir das Visum abholen.

Accra mal wieder anders

Wir dürfen bei einer Freundin schlafen, die in der Schweizer-Deutschen Schule wohnt und unterrichtet. Total nett, richtig dörflich hier hinterm Tor. Wie eine kleine Ortsschule mit Schulhof. Wir dürfen auf dem Basketballfeld parken 🙂 Zumindest nachts.

Schon heftig, was für unterschiedliche Leben unsere Freunde hier in Accra alle führen. Der eine wohnt in einer Villa am Arsch der Welt, die er völlig verwohnt und die zugeschissen ist von seinen riesen Kötern, die davor auf dem Hof vegetieren. Der nächste wohnt in einem nagelneuen Luxusapartment, das seine Firma bezahlt. Ein weiterer wohnt ebenfalls in einem riesen Expatkomplex mit Pool und allem Schnickschnack, Christina in einem kleinen Apartment mit geteilter Küche und ihren Schüler auf der anderen Seite der Hofeinfahrt. Ein Expatleben in Afrika kann ganz verschieden aussehen..

Ei ei ei

Am nächsten Tag ist Fufu fällig. Seine Eier sollen ab. Auch die Schulkatze soll sterilisiert werden und so düsen wir mit Katze in Box und Hund im Fußraum zum Militärtierarzt. Ein ziemlich riesiger Typ, der nach jeder OP erstmal eine Rauchen geht. Das uniformierte Personal behandelt uns wie bei einer Polizeikontrolle. Jeder will Fufus Ausweis sehen. Allein aus Langeweile und um den dicken Macker zu markieren. Aber alle sind nett dabei. Vor der Klinik wartet eine deutsche Mutter darauf, das Hoppel aufwacht. Der Hase ihrer Kinder, den sie für ein Mädchen gehalten haben, hat dann die andere Hasendame geschwängert. Der Spaß ist jetzt vorbei. Die deutsche Mama ist eine Freundin von Claudia, die wir im Escape kennengelernt haben. Die beiden haben ihre Kinder gerade zur Schweizer-Deutschen Schule gefahren und unser Auto davor entdeckt. Daraufhin hat Claudia uns einen voll süßen Zettel unter unseren Scheibenwischer geklemmt, dass sie im Café nebenan sei. Als wir den Zettel gefunden haben, war sie jedoch schon weg. Jetzt hat ihre Freundin unser Auto erkannt. Leider vergesse ich nach ihrem Namen zu fragen, aber es ist sehr nett mit ihr zu quatschen, während die Katze sterilisert wird.

Schon witzig was hier für Gestalten rumrennen. Ein fetter Mustang fährt vor. Schwarz mit verdunkelten Scheiben. Daraus steigen ein Hip Hopper mit Goldkette und seine korpulente, aufgetakelte Freundin mit einem fusseligen weißen Wischmopp auf dem Arm. Kurz darauf kommt eine Ghanaerin aus der Klinik mit viel zu engen Jeans und dem schlimmsten Permanent Makeup, das ich je gesehen habe!!! Sie sieht aus wie Chuckys Braut. Blaue Farbe über die Lider bis zu den Augenbrauen, die ganz skuril nachgezeichnet wurden. Wie dicke Blitze. Um die Lippen das gleiche Desaster. Riesen Zackenblitze um rote Luftkissen. Scheinbar ist sie die Chefin hier.

Die Katze ist schnell durch und vegetiert in ihrer Kiste vor sich hin. Fufu kämpft zehn Minuten gegen die Narkose an. Er will einfach nicht einschlafen.

Die Tierarzthelferin kann es kaum fassen, bei seiner Körpergröße und Gewicht. Halt ein echter afrikanischer Dickkopf 🙂
Zur OP müssen wir raus. Aber auch die ist schnell durch und was bleibt ist ein leerer schrumpeliger Hodensack, der sich hoffentlich zurück bildet. Mit Katze und Hund gehts zurück zur Schule. Während ich Krankenpfleger spiele und gucke, dass die Katze nicht erstickt, wäscht Ulli das Auto. Das wird uns am nächsten Tag zum Verhängnis.

Ein Land Rover ist wie deine Schwiegermutter. Immer krank, stirbt aber nie

Wir machen uns auf Richtung Escape. Doch ist der Verkehr heute so unfassbar, dass wir nach 4,5 Stunden gerade mal 30 km aus Accra raus sind.
Nach einem kurzen Stop im Supermarkt dann die riesen Überraschung – Terés springt nicht mehr an. Batterie leer. Auch die Reserve-Batterie ist kaum geladen. Schöner Scheiß. Ulli vermutet, dass die Autowäsche was damit zu tun hat. Doch wie das immer so ist kommt gleich ein Wagen mit Helfern angefahren. Der russische Besitzer des Supermarkts, Anton, ist ultra besorgt. Wir sollen seine LKW Batterie anschließen oder er will Starthilfe geben. Wir entscheiden uns, gegenüber bei einem Autoteilestand eine neue Batterie zu kaufen. Unsere ist ein Jahr alt. Und aus Mauretanien. Tja. Was willste machen.
Anton und seine Leute haben zwei Supermärkte in Ghana aufgemacht. Jedes Jahr sollen zwei weitere dazu kommen. Riesen Solarplatten auf dem Parkplatz produzieren den nötigen Strom für die kleine Kühlabteilung, Licht etc. Ansonsten verzichten sie auf eine Klimaanlage und haben lediglich Ventilatoren im Verkaufsbereich. Zu oft ist hier in Ghana Stromausfall.. Dazu haben sie einen Wasserspeicher. “Jeder neue Markt wird besser als der davor”, sagt Anton stolz, learning by doing.

Als wir endlich in Takoradi ankommen, fängt unser Auto erst an komische Geräusche unter der Vorderachse zu machen, dann geht plötzlich beim Abbiegen einfach der Motor aus. Schöne Scheiße. Die neue Batterie ist fast leer. Ulli vermutet, dass die Lichtmaschine die Batterie nicht lädt. Einmal kriegt er Terés noch gestartet, doch nach vier Metern geht die Kiste wieder aus. Während Ulli versucht das Auto irgendwie wieder in Gang zu kriegen, besorge ich mal Geld am Automaten. Davon werden wir sicher einiges brauchen. Es geht mal wieder zum Mechaniker, das ist klar..

Wir rufen einen an, bei dem wir ein paar Land Rover vor der Tür gesehen haben und uns damals seine Nummer haben geben lassen. Er ist jetzt unsere Rettung. Ulli verbindet die Starter-Batterie unter meinem Sitz mit dem Überbrückungskabel an unsere Solar-Batterie. Da ich nun nicht mehr auf meinem Platz sitzen kann, verstecke mich derweil vor der Polizei hinterm Fahrersitz und los geht die Stoßgebetsfahrt Richtung Werkstatt.

Und tatsächlich, die Solar-Batterie hält durch, wir kommen an. Es ist 17 Uhr, Samstag Abend und der Mechaniker nimmt sich tatsächlich noch Zeit für uns. Ulli macht ihm das Störgeräusch vor. Das erkennt er tatsächlich und weiß sofort wo das Quietschen herkommt. Ein Lager in der vorderen Gelenkwelle ist hinüber, um nicht zu sagen quasi nicht mehr vorhanden. Sein Elektriker bringt Ulli ebenfalls zum Staunen. Nach fünf Minuten weiß er, dass wir einen Kurzschluss in der Elektrik haben, der die Sicherung der Ladekontrolle durchbrennen lässt und das Laden der Lichtmaschine verhindert.


Der Mechaniker bietet uns an, am Sonntag für uns zu Arbeiten, damit wir hier schleunigst weg kommen. So geil! Wir sind so dankbar! Auch dafür, dass wir auf seinem Gelände übernachten können. Dazu nutzen wir einfach die Toilette des Krankenhauses am Berg. Das scheint dort niemanden zu stören. Irgendwie wird immer alles gut am Ende!

Mangowürmer

Als ich Fufu streichele, sieht es aus, als hätte er ein Ekzem auf der Brust. Als ich auf Verdacht drücke, kommt ein Mangowurm aus der Beule. Na toll. Der ganze Hund ist voller Mangowürmer. Umso mehr ich ihn abtaste, umso mehr kleine Beulen finde ich… Die waren heute Morgen noch nicht spürbar.. Schöne Scheiße. Und so verbringe ich den Abend bis es dunkel wird damit, über 20 Würmer aus ihm rauszuholen…

Die Nacht an der Hauptverkehrsstraße ist erstaunlicher Weise echt ruhig. Der Mechaniker schafft es noch vor Mittagszeit und Auto wieder fahrbereit zu machen und selbst noch in die Kirche zu kommen. Deren fürchterliche Musik schallt schon den ganzen Vormittag zu uns herüber. Die ganze Zeit singt eine Frau, die leider nur jeden dritten Ton und das auch nur annähernd trifft. Die Band spielt ok, leider ist das Soundsystem im Eimer. Ich würde es in der Kirche keine vier Minuten aushalten. Als ich rumwitzele, dass der Mechaniker ja nach unserem Auto mal die Musikanlage seiner Kirche reparieren könnte, lacht er nur. Über schlechte Musik hört ein echter Gläubiger hier eben einfach geduldig weg..
Scheinbar sind jedoch auch einige Gummi-Dämpfer am Auto kaputt und müssen ausgetauscht werden. Dazu sind die Bremsscheiben ziemlich abgefahren. Also verabreden wir, Teile aus Accra kommen zu lassen und die Woche noch mal vorbei zu kommen.
Dieses Auto…

Als wir im Escape ankommen, begrüßt mich Milli mit einem riesen Freudengeschrei 🙂 Ich bin völlig überwältigt. Auch Robert, der Koch, und Justina kommen freudig angelaufen. Ich bin echt froh, all die Nasen noch mal wieder zu sehen. Leider bin ich auf Akwasi nicht gut zu sprechen und so halte ich mich die nächsten Tage fern von der Lodge und verbringe die Zeit am Auto, am Strand und im Wasser. Wir versorgen uns selbst. Und als Ulli mit Terés wieder in die Werkstatt fährt, sitze ich zwischen all den Gemüsekartons und Surfbrettern, mit Tisch, Stuhl und Kocher auf dem Parkplatz wie bestellt und nicht abgeholt. Ein bisschen wie eine Demenzpatientin, die an einer Fake Bushaltestelle auf den Bus wartet, der nie kommt. Egal 🙂 Ist ja nur für einen Tag… Denkste… Dauert natürlich zwei Tage und so bin ich dankbar, als John mir abends sagt, dass ich heimlich in einem der Apartments schlafen kann.

Wir feiern heute Abend den Abschied eines Freundes und als ich zurück vom Strandlagerfeuer komme, bin ich voller Sand. Es ist schon eine echte Kunst ein Zimmer zu nutzen, ohne dass es hinterher benutzt aussieht. Aber bei Wassermangel klebrigen Sand abzuduschen, ohne dass hinterher wirklich weniger Duschwasser im Eimer ist und dann so halbsandig in einem Bett zu schlafen, ohne dass es jemand merkt… puh.. Ich schlafe kaum, weil mir ständig durch den Kopf geht, dass ich früh raus und putzen muss. Die auf das Dach regnenden Mandeln, die wie Donner auf dem Blech klingen, machen die Nacht nicht besser.

Dafür verbringe ich den Tag mit Surfen und Mangowürmer ausdrücken. Zweiteres wird langsam Routine. Die ersten Würmer waren noch eklig. Jetzt ist es einfach nur noch mühsam… Fufu weiß zu schätzen, dass nach jedem ausgedrückten Wurm der Juckreiz an der Stelle verschwindet und lässt das Ganze super entspannt über sich ergehen. Je länger wir mit dem Ausdrücken warten, umso größer werden die Viecher und umso größere Löcher hinterlassen sie, die sich entzünden können.

Ansonsten genießen Fufu und ich wieder hier zu sein, während der arme Ulli in der Werkstatt schwitzt. In der Werkstatt entdecken sie immer mehr kaputten Scheiß. Sämtliche Dämpfer an den Panabstäben werden ausgetauscht, die große Metallkugel im Vorderrad und das kaputte Lager darin, ebenso der zweite Stoßdämpfer-Dom, den wir im Togo vorsorglich schon mal gekauft haben.

Alles hat ein Ende

Doch abends ist Ulli endlich wieder da. Und so kann auch für ihn ein wenig Entspannung losgehen. Eines meiner absoluten Lieblingsbilder in unserem Ghana-zu-Hause ist Kwesi, der Nachtwächter. Jeden Abend um halb sechs taucht seine Silhouette am Strandende auf. In der untergehenden Sonne kommt er zur Arbeit. Einen Jutebeutel am Arm hängend und sein altes Radio fest gegen die Brust geklemmt. Dieses hat eine ultra lange Antenne, sucht aber die meiste Zeit nur rauschend nach Empfang. Dem Batteriefach fehlt die Klappe. Ein solches Radio ist das ein und alles so vieler Afrikaner, in jedem einzelnen der Länder, durch die wir bisher gekommen sind. Musik = Leben.
Kwesi ist so blind, dass er mich meist erst erkennt, wenn ich einen Meter vor ihm stehe. Ich frage mich immer, wie er im Dunkeln Einbrecher verscheuchen soll, wenn die nicht zufällig samt Taschenlampe einen Meter vor ihm Einbrechen – aber was solls 🙂
Als er mich erkennt, ruft er wie immer “Hm, Mama Carpenter – Ätisän. “ Er will demnächst mal wieder neue Lottozahlen von mir. Er gewinnt und gewinnt einfach nicht. Der letzte Lottoschein, ein Schmierblatt auf dem mit Bleistift Zahlen gekritzelt sind, hatte nicht eine Richtige. Dann aber genug geschnackt “I need to report myself for work,”, lehrt er mich. “I am coming. “
“I am coming”, heisst in Ghana übrigens nicht, dass jemand kommt, sondern dass er geht. Warum? Kein Plan, macht eben nicht alles Sinn hier 🙂


Am Wochenende kommt Christina vorbei. Es ist unser letztes Gemeinsames. Wir surfen viel, gehen Batiken und dann fahren sie, John, Phillip, Robert, Simon und ich nach Busua.

Es ist Unabhängigkeitstag und der wird in Busua mit einem Festival über das gesamte Wochenende gefeiert. Meine Lust hält sich in Grenzen, Ulli kommt erst gar nicht mit. Er will sich ausruhen. Doch die Fahrt auf der offenen Ladefläche über die Schrottpisten ist den Weg schon wert. Und ein paar Leute dort freue ich mich zu sehen. John baut am Strand einen Akpeteshi Stand auf. Er macht fette 500 Cedi Umsatz diesen Abend, doch kaum dreht er sich nach Dienstschluss einmal um, ist die Kohle weg, samt seinem Handy. Danke dafür.
Ich hab mir bei so viele Betrunkenen Menschen schon sowas gedacht und einfach alles daheim gelassen, was einen Wert hat.

Ulli und ich entscheiden uns die letzten Tage in Busua zu verbringen. Einfach noch mal ein Tapetenwechsel. Der Beachbreak ist super, das Essen ebenso. Peter, ein befreundeter Localsurfer, will uns überreden noch tausend andere Spots auszuprobieren. Doch es ist irgendwie Zeit zu gehen. Wir waren jetzt wirklich ausführlich und unerwartet lang hier in Ghana. Am letzten Abend bin ich bis zum Sonnenuntergang im Wasser. Wie ein gigantisches rotes Herz wirft das Licht der Sonne in die Wolken. Dieses spiegelt sich in enormem Leuchten im Meer. Nein, wie kitschig, wie gut, dass ich nicht romantisch bin 🙂 Total abgefahren. Leider sind wir den Abend und den kompletten nächsten Morgen damit beschäftigt, unsere Stoffe von den Schneidern wiederzuholen und können nicht wirklich entspannt abreisen. Ulli wollte sich eine Hose, ich mir ein Kleid nähen lassen. Beide haben wir Freitag früh unsere Sachen abgegeben. Sein Schneider hatte Samstag die Beerdigung seiner Mutter. Das ist ihm aber scheinbar erst Samstag aufgefallen und so kam er zig mal zwischendurch aus der Kirche zum Camp, um zu sagen, dass er versucht die Hose noch nach der Trauerfeier zu schneidern. Pustekuchen natürlich. Meine Schneiderin ist den ganzen Freitag mit was Anderem beschäftigt gewesen und Samstag und Sonntag verreist. Sie wusste zwar, dass wir Sonntag früh fahren, hat sich aber voll aufgedrängelt, sie kann das alles vorher fertig machen. Ich verstehe die Ghanaer so oft nicht. Jetzt renne ich seit Samstag Abend den Leuten im Ort hinterher, ob sie die Schneiderin kennen und ihre Telefonnummer haben. Sonntag früh treffe ich durch Zufall eine Schwester von ihr. Diese ruft eine andere Schwester an, die noch vor der Kirche kommt, mir das Atelier aufschließt und den Stoff rausgibt. Man Ghana..

Wir Frühstücken ein letztes Mal, dafür schön am Strand. Da setzt sich ein mega geiler lange wilde Haare, typische jeden Tag Reisehose, T-Shirts gehören längst der Vergangenheit Typ an unseren Tisch. Seine fröhliche ausgeglichene Ausstrahlung kommt von weiter innen als nur vom Kiffen:) Humbel Pie will “fünf Minuten Freunde machen”, sagt er:) Er ist aus New York und lebt grad sowas wie von Luft und Liebe in Ghana. Wir kommen gar nicht mehr raus aus dem Erzählen. Seine Einstellung zum Leben ist echt beachtlich. Wir reden über das ewige Problem hier in Afrika immer der Reiche zu sein. Auch er, der nicht weiß wovon er sein Essen heut bezahlen soll ist reich. Denn im Vergleich zu allen hier, sagt er, hat er eine großartige Ausbildung genossen. Und damit hat er vollkommen recht. Unsere Möglichkeiten sind einfach schon ganz andere. Und auch mit Bettelkinder dürfen wir nicht so hart sein. Wir lernen unser leben lang fleißig zu sein und effizient, hier lernen viele Kinder ihr Leben lang betteln. Mein Lieblingssatz von ihm: “Wir sind so reich, wir kacken daheim in sauberes, trinkbares Wasser.”

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