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Krokodile in der Wüste. Das geht nicht? Geht doch. Zumindest sagt das der Reiseführer.
In Matmata, El Gheddya und noch ein paar anderen Orten in Mauretanien sollen Krokodile es geschafft haben, von Zeiten in denen hier noch Flüsse und Seen statt Sahara war mit ihrer Gattung zu überleben.
Und genau die wollen wir jetzt sehen.

Ein Glück ist unser Auto gerade noch so rechtzeitig heile geworden, dass wir es eben noch schaffen können nach Matmata zu fahren, bevor unser Visum ausläuft.
Das heisst am Nachmittag nach der Werkstattentlassung düsen wir los.

Straße der Kadaver

Die Route de l’éspoire – also Straße der Hoffnung – entlang bis es dunkel wird. Der Name ist eine echte Farce gegenüber dem was hier abgeht. Hier liegen allein in einem Abschnitt von zwei Kilometern mehr totgefahrene Tiere, als ich sie in meinem ganzen Leben je gesehen habe. Rinder, Dromedare, Esel, Ziegen, Schafe.. Teilweise drei Rinder auf einem Haufen. Die Autos und Laster, die hier langkrachen, nehmen keine Rücksicht. Mit 120 Sachen düsen sie die Teerstraße entlang als gäbe es kein Morgen. Oftmal haben gerade die Lastwagen und Pickups dabei Menschen auf dem Dach sitzen, die sicher ja null Chance haben bei so einem Zusammenprall mit einem Tier zu überleben. Aber das interessiert hier niemanden. Ich wünsche mir nur ganz feste, dass wir keinem Auto begegnen, das mit einem Dromedar zusammengestoßen ist. Den Anblick brauche ich echt nicht.

Bei Einbruch der Dunkelheit fahren wir einfach von der Straße ab und stellen uns zum Schlafen in die Wüste. Wunderbar, dass das einfach so möglich ist. Und während die Sonne langsam hinter den Dünen untergeht, bummeln zahlreiche Esel, Rinder und Dromedare an uns vorbei gen ihrem Stall. So schön!

Grusel, Grauen, Gänsehaut

Nachts wache ich auf von einer gruseligen Pfeifenmusik. Wie so ein geblasenes Leierakkordeon aus einem Horrofilm klingt das. Ja ich weiß, so ein Instrument gibt es nicht, aber diese Musk klingt genau so.
Das muss irgendwas sein was die Nomaden benutzen. Zumindest höre ich diese seltsame Musik öfter mal nachts in der Wüste. Ich sehe aber im Dunkeln nichts. Schade.

Am nächsten Morgen geht es weiter die Cadaver Straße lang. Landschaftlich wird es immer abgefahrener. Irgendwo ist Wasser und so gibt es teilweise richtig grüne Abschnitte mit vielen Pflanzen in dem roten Sand. Dann ist alles plötzlich voll gelbem Wüstengras.

Als wir dem Gebirgsplateau wieder näher kommen stauen sich zig tausend kleine Sanddünen gelb leuchtend vor dem roten Gebirge auf. Als hätte ein Riese mit Förmchen lauter Sandkuchen gebacken. Soooo unfassbar schön!

Die Polizei und Militärkontrollen verlaufen immer ganz lustig. Keiner hat von den Wüstenkrokodilen gehört und jeder wünscht uns viel Erfolg beim Finden. Haha den können wir sicher gut gebrauchen. 🙂

Dr. Ulli – kein Arzt – ein Pflaster

Beim einem Fotostop mitten am Berg will ich mich beeilen, weil wir die halbe Straße blockieren und gucke nicht wo ich barfuß hintrete. Also haue ich mir den Fuß ordentlich gegen einen Stein oder eine Scherbe, weiß der Geier. Ich mache aber erstmal meine Fotos und Videos und genieße den Ausblick, als ich plötzlich sehe das ne ganze Menge Blut unter meinem Fuß hervor läuft. Ist ein ganz schönes tiefes Loch was ich mir da reingehauen habe. Und nachdem ich Desinfektionsspray draufgesprüht habe werde ich fast ohnmächtig. Man gut das Dr. Stirnat da ist. Ein Nicht-Arzt dem ich voll vertraue 🙂 In den Schatten mit dem Rücken in die Scherben gelegt werde ich prima verarztet. Wann immer ein Auto oder LKW vorbei kommt, versuche ich mich schnell aufzusetzen, damit bloss keiner anhält. Die Leute hier wollen nämlich immer alle helfen. Und ich mag grad keine weitere Hilfe. Mir ist alles aber nicht nach Reden mit Menschen.
Tja, jetzt muss doch Ulli weiterfahren, dabei hatten wir eben erst getauscht, weil er schon vier Stunden am Steuer hinter sich hat.. So ist das, wenn zwei Chaoten verreisen, alles wird immer etwas anders als man es sich eben noch gedacht hat .. 🙂

Autoschänder

Dann kommen wir auch schon nach Nbeika. Ab hier geht es eine Piste ab bis Matmata und dann mal gucken ob wir den Weiher finden.
Nbeika ist erstaunlich grün. Überall sind kleine Seen. Die Menschen betreiben sogar Reisanbau. Ich komme aus dem Staunen kaum mehr raus. Wunder wunderschön ist dieser Anblick von Grün, richtigen Pflanzen, ja sogar riesen Bäumen und Blumen nach wochenlang nur Wüste. Das meinen die also mit Augenweide. 🙂
Leider stimmen die Koordinaten im Reiseführer nicht und so landen wir bei einem Mauretanier im Vorgarten. Der freut sich allerdings und erklärt uns den richtigen Weg.
An weiteren Feldern vorbei, durch eine weitere Ortschaft hindurch kommen wir immer weiter in Tiefsand. Wir sind viel zu faul die Luft aus den Reifen zu lassen, aber Ulli manövriert uns prima dadurch. An Matmata vorbei auf eine Felswand zu. Und krass, die müssen wir tatsächlich hochfahren. Die arme Terés, jetzt quälen wir sie aber so richtig. Über aufeinander gestapelte Felsklötze geht es mit Schwung aufs Platteau rauf und dann sicher fast 40 Minuten lang über Felsen bergauf. Die Arme macht ihre Sache echt gut!

Auf der Lauer

Dann wird es plötzlich wieder tiefsandiger und wir lassen die Gute stehen. Auf Festfahren nach einem bereits 10 Stunden Autofahrtag haben wir beide heute echt keinen Bock mehr. Auch hier Stimmen die Koordinaten des Reiseführers null. Wo eine Piste sein soll ist lediglich unbefahrbares Gelände.
Allerdings sind wir innerhalb von fünf Minuten Fußweg am Weiher. Wie wunderschön der ist. Mitten im Sand zwischen tiefschwarzen Felsen. Eine Herde Rinder trinkt gerade. Wir klettern leise die Felswand hoch. Total gespannt was wir wohl sehen. Doch nichts.. Kein Krokodil in Sicht. Wir machen es uns bequem und warten. Ein Esel mit seinem Jungen kommt die Felswand runtergesprungen, um am Weiher zu trinken. Doch kein Krokodil scheint sich dafür zu interessieren. Maan..

Dann tauchen plötzlich Luftblasen auf dem Wasser auf. Große Ringe bilden sich an der Wasseroberfläche. Irgendwas muss da Unterwasser sein. Irgendwas Großes. Ich habe gelesen, dass die Krokodile sich, wenn der Weiher bei Dürre austrocknet bis zu 20 Meter tief in den Sand eingraben. In diesen Tunneln überleben sie zusammen mit ihren Jungen, bis das Wasser wieder kommt. Wie abgefahren ist das bitte?

Ich möchte die Tiere sehen, die sowas können. Doch die wollen uns ganz offensichtlich nicht sehen. Nach fast zwei Stunden leise auf das Wasser starren machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Wir können leider nicht bleiben, müssen uns heute noch Richtung senegalesischer Grenze aufmachen, denn unser Visum läuft übermorgen aus.
Tja, alles kann man eben nicht haben. Ich bin jedoch alles andere als enttäuscht, diese geile Landschaft hätten wir Hobbybiologen im Krokodilwahn sonst niemals gesehen.

Wir quälen Terés zurück über die Felsen. Die bedankt sich, indem sie sich tief im nächstbesten Tiefsand eingräbt. Tja Faulheit wird bestraft. Und so buddeln wir bei einem wunderschönen Sonnenuntergang in der Wüste einmal mehr unser Auto frei.

Auf eine vorletzte Nacht in der Wüste.

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