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Ulli sieht ihn noch kommen, kann jedoch nichts mehr Schreien und schon ist es zu spät.
Der LKW, der rückwärts auf uns zukommt, sieht uns irgendwie nicht. Obwohl wir sicher schon seit zehn Minuten hier parken und auch nicht das allerkleinste Auto haben. Es knallt und schon ist er uns rückwärts in die Front gefahren. Schöne Scheiße.
Zwei Lampen sind kaputt, die Front eingedellt und der Lack an der Motorhaube ein Stück weit abgeschabt. Kackmist!
Der Fahrer ist total erschrocken, als er seinen Fehler bemerkt und im Nu ist eine riesen Menschentraube um uns versammelt. Alle wollen wissen was passiert ist und wie es weitergeht. Immerhin ist der Fahrer einem Weißen reingefahren, das ist doppelt spannend.
Die Polizei, die Ulli dazuruft, weiß nicht so recht was sie machen soll. Und als der Chef des LKW Fahrers eintrudelt, fragt sie, ob sie jetzt wieder gehen kann. Irgendwie würde ich echt gern mal die Jobbeschreibung eines afrikanischen Polizisten lesen… oder ihn selbst mal seine Aufgaben beschreiben lassen… oder seinen Arbeitsalltag…

Arme Wurst

Der Chef des Fahrers labert viel rum, dass er kein Geld hat und auch die Bank im nächsten größeren Ort, also vier Stunden entfernt, sei und seine Versicherung, wenn überhaupt erst in einem halben Jahr zahlen würde. Er will uns lächerliche 15 Euro für den Schaden geben und das Ausbeulen in einer Werkstatt hier machen lassen. Wir müssen eh in Abidjan in die Werkstatt. Téres leckt Kühlwasser wie nichts Gutes, die Beifahrertür schließt kaum noch und wir wollen einen Ölwechsel machen. Außerdem haben wir Probleme an der Achse. Jetzt hier ein Hotelzimmer nehmen, damit der Typ uns weniger Geld geben muss, hier in irgendeine Wegesrand-Werkstatt und dann in Abidjan gleich wieder in eine gehen ist irgendwie nicht die Lösung…
Plötzlich steht Michel, der Besitzer von dem Camp aus dem wir gerade kommen, hinter uns. Er fragt was los ist und wir erklären ihm die Situation. Er kennt den Chef des Fahrers und sagt irgendwas zu ihm. Keine Ahnung was, aber im Nu haut ihm dieser eine rein. Das lässt Michel sich nicht gefallen und rast los zum Polizeichef. Der Schläger rennt ihm hinterher. Witzig was für unerwartete Wendungen manche Sachen hier einfach immer wieder nehmen. Ulli überlegt kurz und geht den beiden ebenfalls nach.

Ich passe aufs Auto auf und hänge derweil mal an der Hauptstraße unsere nassen Sachen in die Sonne. Jede Sonnenminute muss hier schließlich genutzt werden. Das belustigt natürlich alle Umherstehenden, wie die verrückte Weiße mit dem Unfallauto ihre Polster und Badesachen da ums Auto hängt. Aber da kenn ich echt nichts mehr. Ist auch lustig, wie jeder der vorbei kommt schon über die Geschichte Bescheid weiß und sich direkt unsere Front anguckt.
Erinnert mich ein bisschen an das Dorf aus dem ich komme und dessen Tratschgeschwindigkeit… 🙂

Nach über einer Stunde kommen Ulli und Michel wieder. Immerhin 60 Euro konnte Ulli mit Hilfe des Polizeichef locker machen. Besser als nichts! Falls es teurer wird, sollen wir nur anrufen, dann würde ein Bekannter des Chefs in Abidjan uns noch mehr Geld geben… Ja ne, ist klar…Michel hat ebenfalls 8 Euro bekommen. Schmerzensgeld. Von wegen der Typ hat keine Kohle…
Ulli hat die Schnauze voll und will hier nur noch weg.
Also machen wir uns auf nach Abidjan. Schnell noch ein paar hartegkochte Eier für unterwegs gekauft, die gibt es hier an jeder Ecke, leider mal wieder die Hälfte an den Hund verfüttert, weil sie schon mega nach Fisch gestunken haben und los gehts…

Regen in der Regenzeit

Die Teerstraße ist erst richtig mies, wird dann besser, dann richtig gut. Uns kommt ein Transporter entgegen gerast, der das Schaf auf dem Dach nicht richtig festgebunden hat. Es steht! Einfach nur mit einer Schnur um den Hals bei 80 Sachen auf einem rutschigen Dach! Scheiße! Als wir in Abidjan ankommen und es wieder anfängt zu regnen, schießen plötzlich richtige Wasserfälle auf die Straßen nieder. In ein paar Stunden steht hier alles so unter Wasser, dass keiner mehr fahren kann. Wir sind auf dem Weg zu einem Restaurant kurz hinter der Stadt, in dem man angeblich günstig campen kann. Das wollen wir noch vor Sonnenuntergang erreichen. Doch natürlich kommt mal wieder alles anders, als wir denken. Durch den Regen in dieser riesigen beeindruckenden Stadt bricht völliges Chaos aus. Die Regenzeit kommt hier scheinbar jedes Jahr so unerwartet wie bei uns der Schnee. Eine Verkehrsampel fällt aus und im Nu stehen wir vier Stunden lang im Stau. Witzig, wie die Abidjaner damit umgehen. Sie erfinden einfach neue Spuren auf der Gegenfahrbahn. Wir stehen bereits in der dritten von drei Spuren, als nach einer Stunde drei weitere Spuren neben unserer entstanden sind. Es gießt unermüdlich.

Große Not

An dieser Stelle ist es mal wieder Zeit für eine Pinkelgeschichte. Viele fragen uns immer, wo wir an Wasser kommen zum Trinken. Das ist gar nicht das Problem, Wasser gibt es in jeder Boutique. Das ist arschteuer, besonders der Toubabu (Weiße) zahlt da gern mal mehr als die Einwohner, aber es gibt es an jeder Ecke. Wer es besonders billig will, der kauft die Plastikbeutel. Die schmecken aber nur nach Chlor statt Wasser. Noch billiger ist das Leitungswasser. Das ist aber, wenn überhaupt, nur in den Großstädten richtig gechlort und schmeckt auch dementsprechend. Wir nutzen es zum Kochen und für Tee und Kaffee. Aber was hier eine echte Herausforderung werden kann ist Wasser wieder loswerden – also das PINKELN!
Schon in der Landschaft ist es hier unten an der Elfenbeinküste schwieriger, weil die den Urwald so zurück schneiden, dass es kaum Pinkelschutz entlang der Straße gibt. Für die Männer kein Problem, für Frauen eben doch. Und so kommt ständig ein Eselskarren, ein Fahrrad oder ein mit Menschen voll beladener Transporter an einem vorbei, wenn man denkt, man kann mal kurz.
Aber jetzt, hier an einer mittlerweile sechspurigen stillstehenden Straße im Sturzregen, im Dunkeln, als Weiße UNAUFFÄLLIG irgendwo hinmachen ist echte Kunst!
Ich kann nicht anders ich MUSS!
Ulli schlägt vor, mich einfach unter den Kleintransporter neben uns zu hocken. Der Scherzkeks, wie soll ich mich unter etwas hocken, das mir vom Boden bis zur Achse bis unters Knie geht. Ich bin doch kein Mumin.
Ich laufe los, doch überall strömen mir Massen um Massen von Menschen entgegen. Die gesperrte Straße führt zum Flughafen und wer immer noch denkt, eine Chance zu haben seinen Flug noch zu kriegen, der läuft. Und irgendwie scheint es auch der Weg zur Partymeile zu sein und heute ist Freitag Abend. Jeder vierte ruft erfreut “Ah eine Weiße, Hallo Weiße!”. In der Regel gucken dann alle und freuen sich. Soviel zum Thema unaufällig bleiben. Ich finde ein paar geparkte Autos vor einem Autohaus. Und verschwinde so schnell ich kann hinter einem. Hocke mich hin, drehe mich um, ein Glück der Stuhl des Autohauswächters genau in meinem Rücken ist gerade nicht besetzt, der Typ in dem Auto vor mir guckt gerade woanders hin. Jetzt oder nie. Man man man, wie gut, dass ich Meisterin des Schnellpinkelns bin, weil ich das zu Hause schon zum erklärten Ziel gesetzt habe, immer schneller vom Klo runter zu sein als die Männer. Ist so ein Tick von mir. Hier kommt er mir zu Gute.

Never ending Stau

Klitschnass komme ich zum Auto zurück. Abendbrot machen ist angesagt. Ich versorge uns mit Cornflakes und Haferflocken und versuche Ulli gut zuzureden, der immer noch darauf hofft, dass der Stau bald vorbei ist.

Meine momentanen Lieblingsstaubilder:

1) Ein Mann und eine Frau im Sturzregen auf einer offenen Ladefläche, die unter ihren Regenschirmen sitzen und sichtlich ihren Spaß haben.

2) Ein LKW neben uns mit dem Aufkleber: Wenn ich scheiße fahre, dann rufen sie bitte diese Nummer an…

Lalelu – nie kommt ihr zur Ruh

Als wir nach vier Stunden endlich weiter können, ist es bereits 23 Uhr. Das Restaurant ist im Dunkeln nicht zu finden und so fahren wir weiter Richtung Strand. Hier gibt es einen Haufen Hotels. Nach zwei Anläufen haben wir auch endlich einen Platz gefunden, auf dem wir unser Zelt aufschlagen können. Ulli klettert aufs Dach, hebt die Plane und kriegt bald einen Anfall. Es ist 24 Uhr, wir sind seit 14 Stunden unterwegs, hatten in dieser Zeit einen Unfall, einen nimmerendenden Stau und jetzt ist auch noch das Zelt völlig durchgeweicht. Ein riesen See aus Schlafsäcken und Matratzen… Scheiße was läuft da nur falsch…

Alles wieder eingepackt und wieder zig Hotels angefahren. Diesmal Zimmersuche. Doch die sind alle voll. Um 1 Uhr Nachts fallen wir endlich ins Bett eines 50 Euro teuren Zimmers eines Hotels, dessen mega netter Nachtwächter uns eingelassen hat, nachdem ich ihn aus dem Tiefschlaf geweckt habe. Den hat der Arme, wie ein Regenwurm zusammengerollt, auf einem winzigen regengeschützen Zipfel einer Betonmauer gehalten.
Schlafen. Endlich Schlafen!
Und am nächsten Morgen scheint tatsächlich die Sonne. Nicht wirklich, sondern irgendwo hinter dicken Wolken, aber sie ist spürbar. Also alles aus dem Zelt geräumt, Matratzen zum Trocknen auf Wasserflaschen auf die Wiese gestellt, den gesamten Dreckwäschebeutel dem Wäschemeister des Hotels gegeben, der Gott sei Dank auch einen Trockner besitzt, Reis auf den Holzboden unseres Zeltes gestreut und angefangen Inventur des Schadens im und ums Auto zu machen.

Die Land Rover Werkstatt in Abidjan ist, wie es sich rausstellt ein mordsschickes Verkaufshaus, mit dreimal so hohen Preisen wie in Deutschland. Der nette Chef des Hotels, ein dicker Spanier, empfiehlt uns die Reperaturen bei seinem Mechaniker zu machen. Der guckt sich den Wagen an und veranschlagt mindestens fünf Arbeitstage. Scheiße. Das heisst entweder fünf Tage auf dem Auto campieren, in der Werkstatt, die lediglich ein unterstandloser Matschplatz an einer Hauptstraße ohne Klo ist, oder derweil ein teueres Hotelzimmer nehmen, alles leer räumen und dort unterstellen…


Wir haben uns für letzteres entschieden. Der Chef des Hotels hat uns noch einmal ordentlich Rabatt gegeben und so tut es zwar immer noch weh, aber wenigstens sind unsere Sachen trocken und sauber und sicher und wir haben ein Klo und eine Dusche.
Und siehe da, kaum ist der ganze Scheiß geklärt, werd ich sofort erstmal richtig krank.

Man bin ich froh, jetzt nicht bei 24 Stunden Sturzregen in unserem Zelt an der Hauptstraße ohne Toilette zu liegen! Mittlerweile steht das Wasser auf der Straße den Leuten kniehoch. So schlimm hat es seit 20 Jahren nicht mehr geregnet, erzählt unser Freund Abdoul. Wer mir richtig leid tut sind die Mechaniker, auf dem Matschplatz ohne Dach, an unserem Auto. Ich kann ja nicht ahnen, das während ich im Trockenen liege, überall um mich rum die Hütten und Häuser bereits komplett unter Wasser stehen – Ein absoluter Alptraum für die Menschen die hier leben…

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