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Wenn du drei Babies nach ihrer Geburt verloren hättest, würdest du dann noch leben wollen? Würdest du das Leben nicht komplett in Frage stellen? Ich denke mir würde es so gehen. Für die Menschen hier ist das Alltag. Babies sterben, Freunde sterben, Familienmitglieder sterben. Ständig, zu Hauf, so ist das eben.

Sexuelle Belästigung gefällig?

Wir sind unterwegs Richtung National Park im Norden von Benin. Es ist schon spät. Das Bergpanorama, das wir jetzt auch endlich dank schwindendem Harmattan sehen können, ist unfassbar schön in der Abendsonne! Und dann kommt sie natürlich, eine Polizeikontrolle. Die kommen hier immer, wenn man sie am wenigstens gebrauchen kann. Weil du aufs Klo musst, tod müde bist nach einem Arsch langen Tag im Auto oder was auch immer. Der Polizist, dem schon die Augen aus dem Kopf fallen, als wir anhalten und er mich sieht, will das ich aussteige. Dabei fährt Ulli… Allein von der Art und weise wie er mich anstarrt, fühle ich mich sexuell genötigt. Der zieht mich aus mit seinem Blick. Es fehlt quasi nur die Sabber, die an seinem Mund runterrennt. Ich weigere mich auszusteigen, aber Ulli lenkt ein und sagt ich soll nicht so sein. Ich erkläre ihm, was der Typ gerade abzieht, doch Ulli steht irgendwie auf dem Schlauch. Ich töte den Polizisten mit meinem Blick, während der mich unverhohlen einfach weiter angafft.
Ulli will, dass ich mich zusammen reiße und aussteige.

Bockig und mit verschränkten Armen versuche ich dem Polizisten, dessen Blick jetzt meine Beine hoch wandert, zu meinem Hintern, zu meinen Brüsten und wieder runter, zu zeigen, dass er ein Arsch ist und mir durchaus klar ist, worums hier geht. Viehbeschau. So schnell es geht drehe ich mich um und steige zurück ins Auto. Ich fühle mich von Ulli verraten und von dem Typen missbraucht.
So richtig eklig einfach. Abartig. Dann dürfen wir weiter fahren. “Wasn Arsch”, sagt Ulli.. Achne..

Die Wut in meinem Bauch lässt für Tage nicht nach. Als wir darüber reden, ist Ulli richtig getroffen davon, wie ich die Situation wahrgenommen habe und er reagiert hat. Er meint, sowas passiert ihm nicht noch mal.

weiß = reich

Als die Sonne untergeht mache ich ein paar Aufnahmen von Rindern auf einem Feld voller hoch gewachsener Pflanzen. So schön, diese grau weißen Kühe in diesen grau-weiß-rosanen Büschen mit diesem untergehenden Licht.


Im Nu versammeln sich zig Kinder um mich herum. Als ich fertig bin sagt ein Mädel doch glatt zu mir: “Jetzt musst du dafür bezahlen.” Ich schmeiße mich weg vor Lachen vor dieser frechen Göre. “Das sind a) nicht deine Rinder und b) musst du im Gegenteil mich bezahlen. Du hast mir gerade bei der Arbeit zu gesehen. Das kostet Eintritt.”
“Das ist gar nicht deine Arbeit”, sagt sie.
“Oh doch, ich mache gerade einen Film über Benin”, sage ich. Da ist sie still.
So dreist dieses Kind! Da weisste genau, wo es viele Touristen gibt und wo nicht..

Ähnlich dreist wie die Frau am Stand bei den Eiern heute. Ich kaufe Eier, als sie plötzlich sagt: “Wo ist mein Geschenk.” Ich frag sie, welches Geschenk sie meint, ich weiß nur von dem, das ich von ihr kriege, als Andenken, weil ich ja der Tourist bin und zu Besuch. Sie sagt: “Du bist reich, du musst mir was schenken.” Ich frage sie, wo ich denn bitte reich bin und zeige auf meine bloßen Füße. Keine Schuhe, jeden Tag die selben Klamotten, die von all dem roten Sand dieser Reise völlig verwaschen aussehen und ein Auto in dem ich wohne. Ich sage zu ihr: “Du hast sicher einen Mann und ein Haus. Das ist schon ganz schön reich.” Sie verneint und sagt sie will mit mir in dem Auto wohnen. Als ich sage, alles klar, los gehts, komm mit, zieht sie zurück. Alter Falter, ich glaube das wird in den nächsten 50 Jahren nicht anders mit dieser Überzeugung in den Herzen der Menschen hier, dass ein Weißer automatisch im Geld schwimmt… Traurig nur, das sogar Erwachsene dann so eine freche Art haben und echt dreist nach Geld Betteln…

In Benin sehe ich auch zum ersten Mal seit langem wieder Kinder Kühe hüten. Und zwar morgens während der Schulzeit.. Für sie ist dann also offensichtlich nix mit Bildung… Das macht mich wütend und traurig..

Sonday mit o

Vorm Park verhandeln wir mit dem Typen an der Kasse erstmal über den Campingpreis. 6000 CFA will er haben, wenn wir auf dem abgeschirmten Parkplatz stehen. 4000 CFA, wenn vorm Dorf. Wir kriegen ihn auf 3000 CFA runter. Immernoch viel zu viel für ein Loch im Boden als Klo und sonst nichts. Aber egal. Das Geld geht angeblich direkt in die Gemeinschaft.

Und so lernen wir auch Sonday kennen. Er sagt von sich selbst Sonday, wie Dimanche. Nur hat da wohl jemand das o und das u verwechselt 🙂

Er will unser Guide im Park sein. Ein Guide ist nicht obligatorisch, aber wir haben uns schon vorher vorgenommen, einen zu nehmen. Denn hier in Benin soll es ein richtig gutes System geben. Es gibt klassifizierte Guides. Kategorie A und B. Ein Guide A kostet 10 000 CFA, ein B Guide 8000 CFA.
Das freut Ulli unheimlich, endlich mal was mit System.. Sonday findet nur leider seinen Ausweis nicht. Angeblich verlegt…Ist klar. Offensichtlich hat er keinen. Wir machen einen Deal. Wir finden ihn sehr sympathisch und er scheint echt Ahnung vom Park zu haben, dass wir ihm anbieten 5000 CFA zu bezahlen fix und 3000 CFA am Ende on top, wenn wir sehr zufrieden sind.
Ganz schüchtern will er wissen, was uns denn zufrieden machen würde.
Ich sage, wenn du engagiert bist, uns viele Infos vermittelst und wir Elefanten sehen. Jetzt grinst er über beide Ohren. Das schafft er.

Kleiner Junge, großer Bauch

Während wir im Dunkeln der Nacht essen, schleicht Akhil sich zu uns heran. Der kleine vielleicht 5 jährige Junge ist nur durch das weiß seiner Zähne und in seinen Augen in der Dunkelheit auszumachen. Er ist so still, ich habe erst nicht mal gemerkt, dass er da ist. Was auch immer ich ihn frage, beantwortet er nur mit einem leisen “oui”. Ganz offensichtlich versteht er nur Bahnhof. So schade, ich möchte so vieles von ihm wissen. Wer er ist, wie er lebt, wie es ihm geht. Er hält sich an Ullis Stuhl fest und schweigt. Er hat einen riesen dicken Bauch zu spargel dünnen Ärmchen und Beinen. Unterernährung? Mangelernährung? Gott ich will ihn knuddeln und mitnehmen. Aber das geht nicht. Als Ulli aufsteht um abzuwaschen, versteht Akhil etwas, was ich sage, als Aufforderung sich in den Stuhl setzten zu dürfen. Und da sitzt er, ganz leise und still und stolz wie ein König in unserem 5 Euro ausgelutschten Campingstuhl, als wäre es ein Thron. Sobald Ulli fertig ist, steht Akhil auf, um ihm den Platz wieder frei zu machen. Da kommt von weitem der Lichtstrahl einer Taschenlampe immer näher. Und schwupps, schnell wie der kleine Muck mit winzigen unhörbaren Schritten verschwindet der winzige Mensch zwischen den Bäumen im Dunkel der Nacht.

Safari

Um fünf Uhr früh klingelt der Wecker. Es ist noch immer tiefe Nacht draußen. Während wir im Dunkeln unser Zelt einpacken und frühstücken sind die ersten Dorfbewohner schon am Brunnen, Wasser holen.

Um kurz nach sechs kommen wir dann tatsächlich los. Den Typen an der Kasse kannste beim Gehen die Schuhe zu machen, so langsam bewegt der sich. Gestern meinte er noch, wir können Fufu bei ihm lassen, heute will er, dass wir ihn einfach mit in den Park nehmen. Höchst illegal, aber umso besser für uns. Ich hätte mir auch echt ein bisschen Sorgen um Fufu gemacht, den ganzen Tag dort mit so vielen Kindern. Wir müssen versprechen, dass wir ihn im Park nicht rauslassen und ab geht die Post. Sonday kennt jedes Schlagloch, jede Brücke, jede Unebenheit im Boden und lotst uns durch Dunkel der Nacht Richtung erstem Wasserloch.
Es ist arsch kalt bei offenem Fenster und mit 80 Sachen unterwegs. Ulli hat nur eine kurze Hose und ein Tshirt an. Das wird er schon Morgen bereuen.
So unfassbar schön ist es im Dämmerlicht über die rote Erde, zwischen gelbleuchtenden Gräsern hindurch zu fahren. Alle zwei Meter die Chance vielleicht ein Tier zu sehen. Ich liebe Safaris!
Und dann sehen wir auch schon den ersten Schakal. Weit weg und schnell wie nichts wieder verschwunden, aber hi, er war da.
Jetzt zieht wie aus dem Nichts eine Herde Büffel durch Gebüsch. Meine Kamera spinnt so doll rum wie nie. Sie vibriert wie bekloppt, bis sie endlich auslöst. Dann ist der Moment meist schon vorbei. Ich könnte kotzen..

Die Büffel sind gnädig und tauchen kurz nach uns am Wasserloch auf. Langsam ziehen sie durchs dichte gelbe Schilf in den See.

Weiße Kormorane auf dem Rücken. Ein Nilpferd steckt immer mal wieder die Augen aus dem See. Und ein Krokodil zieht wie ein Stock im Wasser vorrüber. Jetzt kommen auch Antilopen und riesen Enten, Störche und zwei Adler zum Trinken vorbei.
Die Atmosphäre ist der Wahnsinn. Kein Geräusch, außer dass der Tiere und des Windes. In diesen ersten zwei Stunden im Park sehen wir schon mehr als in zwei Tagen im Niokolo Park im Senegal.

Ein hellblau leuchtender Vogel zieht an uns vorbei, als wir wieder im Auto sitzen.

Fufu pennt die gesamte Zeit. Wellblechpiste stört ihn offenbar null. Kaum sind wir wieder unterwegs, kommen autoweise die Touristen angefahren. Alle ab zum Wasserloch. Man hatten wir ein Glück, die Ersten dort gewesen zu sein. Richtig albern sehen zwei aus, die auf selbst aufs Dach montierten Stühlen durch die Gegend gefahren werden. Ich frage mich, was passiert, wenn denen ein Elefant mal zu Nahe kommt. Auf dem Konstrukt kannste dich sicher nicht festhalten, wenn du schnell mal weg musst.

Aber Sonday schwört, hier im Park ist noch nie jemand zu Schaden gekommen. Es gibt auch Löwen, aber die Chance einen zu sehen ist sehr gering. Ich bin mega geschockt, als er erzählt, dass die Löwen geschossen werden dürfen. Alle Tiere dürfen geschossen werden, außer Elefanten. So verdient die Regierung sich ein schönes Taschengeld mit Jagdtouristen.
Der Park wird von Deutschland finanziert. Drinnen gibt es das eine oder andere Hotel von Europäern. Aber keiner von ihnen ist bisher offenbar mal auf die Idee gekommen, sich sozial zu engagieren und die Kinder aus den Dörfern drum herum in den Park einzuladen. Die wohnen alle eine handbreit vom Eingangstour entfernt und haben noch nie nen Elefanten gesehen..
So traurig. Sonday sagt, das Eintrittsgeld von 500 CFA kann ein Local ja bezahlen, aber am Transportmittel scheiterts.. Ich würde am liebsten für Morgen einen riesen Bus bestellen und alle Kinder da reinladen und los… Ulli meint, vielleicht bringts ja was, mal an die Geldgeber in Deutschland an zu schreiben. Mal sehen, das versuchen wir. Das wären am Ende Peanuts, in deren Budget einmal im Jahr nen Schulausflug zu finanzieren..

Ich frage Sonday über den dicken Bauch von Akhil aus. Er meint das liegt daran, dass die Kinder jeden Tag ausschließlich Mais zu Essen bekommen…
Ich weiß nicht ob er Recht hat, aber es macht mich ohnehin traurig…

Die Sonne kommt immer höher und wir sehen ultra viele Antilopen, das rote Fell leuchtet im Sonnenlicht im wunderschönen Kontrast zum gelben Gras.
Wir einigen uns darauf, die Mittagshitze in einer der Lodges abzuwarten. Dort gibt es ein Fernglas, mit dem man den Baboons und den Antilopen, die trotz Hitze zum Wasserloch vor unserer Nase kommen, bis in die Augäpfel gucken kann. Richtig geil. Fufu darf natürlich mittags raus Pippi machen und Fressen und Trinken vor der Lodge. Wundert irgendwie auch keinen, dass da plötzlich ein Hund im Park ist.

Ich habe ja schon ein bisschen die Hoffnung aufgegeben noch einen Elefanten zu sehen. Vorallem auch, weil wir uns bald auf den Rückweg machen müssen.. Doch als wir weiter fahren, sehen wir Spuren eines Elefanten, die quer über den Weg gehen, den wir vorhin gefahren sind. Und da waren diese Spuren definitiv noch nicht da.. Ulli ist in seinem Element. Wie Sherlock Holmes nimmt er die Fährte auf und guckt rechts und links ins Gebüsch. Im Schritttempo bewegen wir uns vorwärts. Viel zu heiß ist es im Auto ohne Fahrtwind.. Fufu pennt wieder, als Sonday plötzlich ruft: “Elefant”.
Und tatsächlich da steht einer. Ein riesen vom Sand rotgrauer Elefant. Ganz allein badet und trinkt er an einem Wasserloch. Wie schön!!! Wir haben einen gefunden!!! Ich bin selig! Was ein schöner Tag!!

Wenn Fufu wüsste, was er grad alles verpasst, nur eine Tür nimmt ihm die Sicht 🙂
Der Elefant macht sich auf, auf die andere Seite des Berges zu laufen. Wir wollen ihn wiedersehen und versuchen auf der anderen Seite auf ihn zu warten. Doch nichts passiert. Er kommt einfach nicht. Wir drehen u,m um wieder an das Wasserloch zu fahren, an dem er gebadet hat. Und siehe da, er hat uns ausgetrickst. Er war gar nicht weg, er hat sich einfach nur hinter ein paar Bäumen versteckt. So ein Fuchs mit x.

Wenn Kinder die Zukunft sind

Wir fahren Richtung Parkausgang. Sonday will wissen, wie zufrieden wir sind. Ich schiebe die Antwort auf und sage ihm, dass er gestern Abend nicht so viel Blabla hätte machen müssen und einfach direkt und ehrlich sagen, dass er keinen Ausweis hat. Er war ein super Guide, den ganzen Tag und ist auch jetzt noch mega motiviert und wach.
Ulli und ich dagegen sind fix und fertig..
Sonday fragt, ob wir Kinder haben. Ich zeige auf Fufu und er lacht.

Er hat keine, sagt er. Und das im Alter von 35. Das wundert mich, also hake ich nach. Er erzählt, er hatte drei. Alle sind sie tot. Das erste Kind, William, ist mit zwei Monaten gestorben, das zweite, ein Mädchen namens Valentine, mit sieben Monaten und der dritte, Francis, mit 9 Monaten. Immer ging es damit los, dass sie sich übergeben haben. Und wenn er dann mit der Mutter und dem Baby im 1,5 Stunden entfernten Krankenhaus ankam, wars jedes Mal zu spät. Ein italienischer Arzt arbeitet dort, dem er vertraut, sagt er. Aber der konnte keines seiner Kinder retten. Keiner weiß, was das Problem ist, sagt er. Die Behandlungen der drei Kinder haben ihn wirtschaftlich ruiniert, erzählt er. Jetzt kriegt seine Frau in zwei Monaten das Vierte. Ich wünsche ihm sowas von Herzen, dass alles gut wird! Ich frage mich, wie jemand derartig Schlimmes überhaupt wegstecken kann. Und dann, wie deine Zukunft in Afrika aussieht, wenn du keine Kinder hast und alt wirst.. Deine Kinder sind hier einfach deine Altersvorsorge. Vor allem in einem Dorf wie diesem, in dem es nichts gibt! Nichts! Außer viele viele Kinder mit dicken Bäuchen, die irgendwie stark genug sind, das harte Leben zu überleben.

Sonday freut sich tierisch darüber, dass wir ihn voll bezahlen und fast noch mehr darüber, dass wir auch noch seine Telefonnummer haben wollen. Man weiß ja nie wofür.

 

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