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Alles war gut, bis wir an dieser scheiß Grenze angekommen sind. Die letzten Militärkontrollen in Mauretanien waren echt lustig, alle wollten wissen, ob wir die Krokodile gesehen haben. Alle waren mit uns enttäuscht dass nicht. Die letzte Nacht in der Wüste kurz vor Rosso haben wir nochmal mit lecker Rote Beete und Bohnen auf Mauretanien angestoßen und wie schön alles war und Schwups, könnte ich die letzten Mauretanier auf die ich treffe schier erwürgen.

Grenzdebil

Ja wir wussten vorher, dass Rosso an der mauretanischen wie auch an der senegalesischen Seite als DIE korrupteste Grenze Westafrikas gilt. Aber das es so schlimm wird.. Es gibt zwar eine alternative Grenze ein wenig weiter bei Diama über einen Damm, allerdings haben wir gehört, dass wir dort unser Carnet de Passage (das wunderbare ADAC Dokument was die Ein-und Ausreise unseres Autos quittiert und für das wir viel Geld in Deutschland hinterlegen mussten) dort nicht abgestempelt bekommen. Also haben wir gedacht: geben wir der Sache in Rosso einen Versuch. Wie schlimm kann die schlimmste Grenze schon sein? SEHR SCHLIMM!

Ulli und ich haben uns darauf geeinigt dieses Mal einen Schlepper zu nehmen. Also jemanden, der die ganzen Grenzformalien für uns erledigt und dafür kassiert. Wir hoffen, dass uns das am Ende weniger kostet als selbst überall beschissen zu werden. Leider ist nur ein Schlepper weit und breit zu sehen. Kaum zu glauben aber war. Und der scheint entweder noch Jungfrau in dem Gewerbe zu sein oder einfach heute sein Gehirn zu Hause vergessen zu haben. So einen unbrauchbaren Windbeutel habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Er schleppt uns als erstes zum Polizeibüro. Hier werden die Pässe ausgestempelt. Das erfahren wir zumindest im Laufe dieses endlosen Trauerspiels nach einigen Stunden. Ein fetter schleimiger Mauretanier in einem schwarzweißen Streifengewand stellt sich als Polizeichef vor und will alle unsere Unterlagen haben. Pässe, Autopapiere, Versicherung für den Senegal…

So viel Dünnschiss

Und schon geht der Alptraum los. Wir bräuchten angeblich eine Versicherung für die Fähre. Also den Miniblechkarren der hier den gerade mal 400 Meter breiten Fluss mit vier Autos und beliebig vielen Menschen drauf überquert. Ja ne ist klar – Fährenversicherung so ein Quatsch. Wir gehen aber erstmal mit dem Schlepper mit und hören uns den Stuss an. Höflich sein ist erstmal nicht falsch. Der Typ in dem Versicherungsbüro in das wir geschleppt werden kennt offenbar keine Fährenversicherung. Schnell ist klar, dass der fette angebliche Polizeichef uns eine Versicherung für Westafrika andrehen will: die Carte Brune. Wir haben bereits die CIMA. Eine ähnliche Version. Als wir ohne neue Versicherung zurück kommen und ihm das erklären, behauptet er unsere sei nur für den Senegal gültig und wir würden laufend damit Probleme kriegen. Ja ne ist erneut klar. So viel Durchfallgerede haben wir selten gehört. Als nächstes schleppt der Schleimer immer gefolgt von unserem Dummerchen Schlepper uns in ein weiteres Büro. Hier will er die Versicherungskarte sehen. Wir geben ihm extra die internationale Version. Damit er das Ganze in Französisch oder Arabisch lesen kann. Er kennt die Aufmachung dieses Papiers allerdings nicht und kriegt einen Schreianfall, wo das richtige Papier sei und warum wir es ihm vorenthalten. Alle Aufklärversuche stoßen natürlich auf taube Ohren.

Korrupte Kleingeister

Der Schleimer der jetzt zum Schreier mutiert ist, lässt irgendwas in Ullis Pass kritzeln.
Dann will er Geld sehen: 28500 UG. Ca. 85 Euro sollen wir bezahlen. Irgendwelche Steuern, Preise für Tickets und weiß der Geier was. Außerdem will er dann nochmal 100 Euro für Fährengebühren. Ich denke ich Fall gleich vom Stuhl auf dem ich nicht sitze.

Das ist völliger Blödsinn, das weiß er selber. Ich weigere mich das zu bezahlen. Da fährt der Schreier fast aus der Haut, will, dass wir unser Auto aus der Fährenschlange rausfahren und dreht sich bockig um um zu gehen. Ich packe ihn am Ärmel und sage ihm, das ich unsere Unterlagen zurück haben will. Er bockt weiter und weigert sich. Also lasse ich mich rücklinks in den einzigen freien Stuhl im Büro fallen und sage ihm, dass er unseren Kram rausrücken soll. Ich schlage die Beine übereinader, verschränke die Arme und warte was passiert. Ohhh wird er da sauer. Sogar ein schwarzer Mann kann rot werden. Abgefahren. Unser Dummchen Schleuser wird nervös, er hat sichtlich Angst vor dem Schreier und will verhandeln. Er redet auf Ulli ein, dass wir die 85 Euro erstmal bezahlen und fragt was unser Problem sei. Als ich ihm sage, dass das geforderte Geld nicht nur korrupt sondern völlig maßlos sei, kriege ich keine Antwort. Lediglich ein weiterer Typ im Büro nickt grinsend. Damit ist uns jedoch auch nicht geholfen.

Einer für Alle

Ulli und der Schleuser sind verschwunden und ich sitze allein in meinem Streik. Ziemlich blöd, irgendwie klappt es nur sehr schlecht in so einer Stresssituation zusammen zu funktionieren. Absprachen kannst du knicken, immer wenn wir unsere Köpfe zusammen stecken ziehen die Leute an unseren Klamotten und schreien dazwischen. Als ich alle Unterlagen wieder habe, suche ich Ulli. Eine Alternative wäre doch zu der anderen Grenze zu fahren. Allerdings ist es mittlerweile echt spät. Wer weiß ob wir da heute noch rüber kommen und unser Visum läuft ja heute aus.. Das könnte dann allein deshalb nochmal teuer werden. Andere Menschen, die über die Grenze wollen sind ebenfalls keine Hilfe. Niemand sagt einem, wo man hin muss oder was was kostet. Keiner will hier irgendwem das Geschäft mit den Weißen versauen.

Wir haben noch immer keinen Ausreisestempel im Pass. Keines der Büros hier hat irgendeine Beschriftung. Der Schleuser zeigt auf das Polizeibüro, also gehen wir dort erenut hin. Und tatsächlich werden wir hier ausgestempelt. Doch auf die Fähre kommen wir im Leben nicht so. Der Schreier hat sich vor die Auffahrt gestellt und allen Bescheid gesagt, uns nicht drauf zu lassen. Es hilft alles nichts, wir müssen uns mit ihm gut stellen. Um die 85 Euro kommen wir nicht rum, wenn wir rüber wollen. Ulli läuft zum Geldautomaten und zahlt. Jetzt will er aber auch noch die 100 Euro. Ich raste fast aus und werfe ihm verächtlich Küsse zu, als ich ihm den Rücken kehre und zum Auto gehe. Das versteht er nicht und will eine Erklärung. Ich sage ihm, dass ich Ruhe und Frieden will und die Schnauze voll habe mich von ihm anschreien zu lassen. Jetzt will er mich heiraten und fragt Ulli wie viele Dromedare ich koste. Ich krieg die Krise. Was ein ekelhafter Typ!! Ich würde so gerne einfach streiken. Hier an der Grenze sitzen und warten was passiert, solange es eben dauert. Habe aber schiss dass wir, weil wir heute ausreisen müssen, den Kürzeren ziehen. Außerdem halte ich es mit dieser ganzen Saubande korrupter Arschlöcher nach drei Stunden fast nicht mehr aus.

Der Schleuser versucht erneut zu vermitteln. Wenn wir die 100 Euro zahlen müssen wir angeblich auf der anderen Seite im Senegal nichts mehr bezahlen. Ja ne ist klar. Dafür will ich Quittungen und der Schreier soll mitfahren und dafür sorgen, dass es auch so läuft. Alles klar, das will er machen. Wir schlagen darauf ein. Quittungen werden geschrieben, doch als wir auf die Fähre fahren geht der Schreier weg und meint sein Kumpel im rosa Pullunder kommt anstatt seiner mit und kümmert sich.

Der Schleuser nimmt die Quittungen an sich, er muss die angeblich drüben der Polizei vorzeigen. Als wir auf der anderen Seite völlig ausgebrannt ankommen sind die Quittungen weg. Die Polizei musste die angeblich behalten. Und wir sollen nochmal 107 Euro zahlen. Ich wusste es.

Was kostet die Welt

Alles Palavern hilft nichts. Die 100 Euro wären nur für die Polizei gewesen. Wenn wir hier raus wollen, einen Einreisestempel und unser Carnet gestempelt, müssten wir das eben zahlen. Der unütze Typ im rosa Pullunder und das dicke Dummerchen traben mit Ulli durch die Gegend. Ich bleibe beim Auto, ich habe kein gutes Gefühl hier auf dem Parkplatz. Wer weiß was wir hier ausser Geld noch loswerden. Und zu zweit sein hat uns bisher auch nicht gerade Geld sparen lassen. Ich komme mit ein paar Jungs an der Grenze ins Gespräch. Ibrahima erzählt mir unter vier Augen, dass die Grenze auf mauretanischer Seite 30 Euro kostet und hier drüber 20 Euro. That’s it. Er ist selbst Schleuser und Toruistenführer. Mal so mal so. Ich solle es jedoch niemandem sagen, sonst kriegt er ein riesen Problem mit denen, die uns jetzt ja bereits ausnehmen. Was soll man sagen. Ich erkläre ihm und den Jungs, dass es ziemlich dumm von Ihnen ist hier schweigsam so riesen Abzockegeschäfte in Kauf zu nehmen, da jeder vielleicht am Ende zahlt, jedoch niemand wieder kommt, keiner Lust hat im Senegal bei den Leuten direkt überhaupt noch Geld zu lassen und sich das alles im Internet rumspricht. Am Ende gewinnen vielleicht einzelne daran eine Menge, aber die Mehrheit, die es gebrauchen kann, zieht dabei den Kürzeren. Wie das eben bei Korruption so ist.

Wir enden damit, ein Passavant kaufen zu müssen. Ein Lappen Papier, den man nur bezahlen muss, wenn man eben kein Carnet de Passage hat. Alle Autos die älter als 8 Jahre sind, dürfen nur mit so einem Schein reinfahren. Der kostet viel Geld und ist begrenzt zur Durchreise gültig. Ein Schein den wir nicht brauchen, denn wir haben ja ein Carnet. Das rafft hier aber entweder keiner oder sie sind einfach unfassbar frech.
Beides ist möglich. Ich habe sogar oft das Gefühl das eigentlich keiner eine Ahnung hat, was er da tut, jeder einfach irgendwas macht und das immer beliebig viel kostet.
Erklärungen und Diskussionen sind jedoch völlig unmöglich. Alle reden immer gleichzeitig auf einen ein, keiner lässt dich aussprechen und irgendwann gibst du einfach auf.

Wir geben auf. Nach 6 Stunden Grenzpalavern haben wir keine Kraft und keine Nerven mehr.
300 Euro hat der Spaß gekostet. Plus der 100 Euro die wir ingesamt schon für die Visa bezahlt haben. 400 Euro um in den Senegal zu kommen. Ich fasse es nicht!
Nie wieder über diese Grenze! Der unnütze Schleuser kann es nicht fassen, das wir ihm kein Geld für seine nichtvorhandene Arbeit geben. Wir seien jetzt nicht mehr seine Freunde. Oh je, das verletzt uns tief. Bloss weg hier. Ich kann die Saubande nicht mehr sehen. Was ein Tag. Einzig und allein Glück haben wir, dass die Polizeikontrollen seltsamerweise problemlos ablaufen. Wir haben von anderen Reisenden gelesen, dass sie auch hier nochmal Geld blechen mussten, weil die Polizei wohl immer etwas findet was belangt werden kann. Bei uns zum Glück nicht. Wenigstens Danke dafür!

Happy end

Am Ende des Tages landen wir bei Sven und Christine. Zwei super netten Hamburger Aussteigern auf ihrem Campingplatz direkt am Meer. Ulli kriegt sein erstes Bier seit Wochen, ich ein kaltes Wasser und schon sieht die Welt nicht mehr ganz so schwarz aus. Wir fahren noch einmal kurz in den nächsten kleinen Ort, um uns für die kommenden Tage mit Lebensmitteln einzudecken und die Leute dort sind allein schon wieder so freundlich, dass ich alles Übel fast vergesse. Ich komme schon kaum aus dem Auto raus, weil ich zwanzig Kindern die Hand geben soll. Ulli kauft sich erstmal ein knallbuntes T-Shirt in einem staubigen Shop. Die Menschen hier sind alle soo bunt angezogen, das macht Lust auf alles und mehr 🙂

Ach Senegal ich bin echt gespannt was hier noch so passiert.
Nur bitte lass es nicht mehr allzu viel Geld kosten..

2 Responses

  1. Felix

    Hallo,

    sehr schöne und fernweh-weckende Berichte!

    Lasst euch von der Rosso-Episode nicht runterziehen, nehmt’s als Lehrgeld… Folgende Lektionen dürftet ihr jetzt ja verinnerlicht haben:
    – Papiere IMMER nur an uniformierte oder sich relativ glaubwürdig ausweisende Offizielle aushändigen (keine Schleuser)
    – eine Person folgt (freundlich aber bestimmt) immer den Papieren, auch in Büros, auch bei Protest
    – nur dann zahlungsbereit zeigen wenn der Gegenpart einwilligt einen Beleg auszustellen (das ist der schwerste Part, klappt nicht immer… aber persistent sein!)

    Ich kenne die CIMA nicht, aber die carte brune (Ecowas-Versicherungspolice) könnte bei den kommenden zahlreichenden checkpoints und Grenzen eventuell tatsächlich nötig/hilfreich sein.

    Gute Fahrt und viel Spaß weiterhin!

    Felix

    Antworten
  2. Lena
    Lena

    Hallo lieber Felix:) Haha ja da hast du Recht, aber du kennst ja das Chaos in dem immer alles anderes läuft als du es dir vornimmst:) Es bleibt auf jeden Fall spannend:)

    Sonnige Grüße aus dem Senegal:))) Lena u Ulli:))

    Antworten

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